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Work harder! Von Erfolg und Ironie.



Autorin: Ina Möhlenbeck


Ich habe Erfolg lange Zeit nach, ich würde es mal klassische Standards nennen, definiert.

Ehrlich gesagt habe ich mir sehr lange einfach gar keinen Kopf darum gemacht, was Erfolg für mich persönlich bedeutet und es lag auch nicht in meinem Horizont, dass es eine andere Definition geben könnte, als jene, mit der ich eben aufgewachsen bin.


Meine Eltern haben sehr unterschiedliche Ansichten davon, was Erfolg für sie bedeutet. 

Da ich allerdings häufig um die Anerkennung eines Elternteils gekämpft habe, war es in der Nachbetrachtung irgendwie eine logische Schlussfolgerung, dass eben diese Erfolgsdefinition auch meine werden sollte.

Eine kapitalistisch geprägte Definition, die vor allem beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg in den Vordergrund stellt.


Ich hatte immer schon viel Neugierde und Spaß mit im Gepäck auf meiner Reise in die Arbeitswelt. Ich habe es geliebt, Dinge aus der Theorie in der Praxis kennen zu lernen. 

Spaß und Neugierde waren jedoch oft begleitet von Härte mir selbst gegenüber, Druck, Versagensangst und überzogenem Perfektionismus. 

Denn zu meiner Definition von Erfolg gehörten doch finanzieller Reichtum, stetige Entwicklung im Eiltempo, eine unbedingte Karriere in einem namhaften Unternehmen und ein Job von dem sich gut erzählen lässt. Ich wollte ja schließlich gefallen und war bereit, alles dafür zu geben.


Der Plan ist voll aufgegangen. Ich habe in namhaften Unternehmen gearbeitet, schon während meines Studiums Vollgas gegeben und diverse Unternehmensformen kennen gelernt. Das war toll! 


Hätte ich mich selber nicht völlig vergessen während des Sprints zum Erfolg.

Dieser Erfolg, den ich als Teil meiner Selbstdefinition brauchte. Obwohl ich mich niemals bewusst gefragt hatte, was ich eigentlich als erfolgreich erachte.


Kurz vor meiner Reise nach Südafrika, die ich heute als Auftakt für die Reise zu mir selbst betrachte, arbeitete ich in einem internationalen Start-Up in der Automobilbranche, die zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa gehören. Ich durfte damals den deutschen Markt mit aufbauen. Das ließ sich schon mal ganz gut erzählen, fand mein Ego.


Zur Krönung für meinen damaligen Arbeitswahn und unweigerlichen Drang erfolgreich zu sein, wurde ich zur Mitarbeiterin des Jahres ausgezeichnet. Rookie of the Year. 

“Bäm Baby, Du hast es geschafft!” habe ich mir damals gedacht. Kurz noch ein Bild in Siegerpose geschossen und an die Familienmitglieder geschickt mit der Erwartung, dass alle umfallen vor Begeisterung. Schließlich hatte ich mich doch aufgeopfert. Für den Erfolg.


Ich schlief während der Zeit in besagtem Job relativ wenig. Und wenn, dann ziemlich schlecht. Nachts E-Mails checken, um der Versagensangst nachzukommen, verzweifelte Zusammenbrüche, weil ich nervlich und kräftemäßig am Ende war und viele weitere verrückte Zustände gehörten zum Ende hin zu meiner täglichen Realität. 

Mein ganzes Nervensystem war auf Daueralarm gestellt.


Mein Streben nach der Erfüllung einer Erfolgsdefinition, über die ich nie bewusst nachgedacht hatte, führte mich in den Erschöpfungszustand. Ich war k.o.

Rückblickend betrachtet, war ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn am “erfolgreichsten”, als ich am Zenith meiner Erschöpfung und Selbstaufgabe war. 

Welch eine Ironie, oder?


Im Nachhinein bin ich für alle, wirklich alle Erfahrungen extrem dankbar. Sie haben mich heute hierher gelotst. Und hier ist es gerade sehr schön. 


Denn ich habe eine neue, meine eigene Definition von Erfolg gefunden.


Nach wie vor ist ausreichend Geld zu haben, wichtig für mich. Heute aber aus anderen Motiven. Denn ich schätze das Gefühl von Sicherheit und genieße es mir Freiheit in Form von reisen und in anderen Formen leisten zu können - nicht mehr aus irgendeinem Status-Denken heraus.


Erfolg bedeutet für mich mental frei zu sein und ein größtenteils selbstbestimmtes Leben zu führen. 


Erfolg bedeutet für mich, Frieden in mir zu fühlen, mit mir okay - wenn nicht sogar sehr zufrieden - zu sein und Frieden in mir wiederfinden zu können, wenn er mir mal abhanden kommt. 


Erfolg bedeutet für mich, heute das machen zu können, wofür ich brenne. Und zwar mit vielen Herausforderungen und dennoch mit Spaß und Leichtigkeit. 

Ich habe keinen Anspruch mehr auf Perfektionismus, weil ich verstanden habe, dass Perfektion eine Illusion und nur ein Bild in meinem Kopf ist.


Zu meiner Definition von Erfolg gehört heute auch zu “Scheitern” und daraus zu lernen.

Ich kann mich heute erfolgreich nennen, weil ich ein Netzwerk an wundervollen Menschen um mich herum habe, mit denen ich es liebe, Beziehungen zu führen, mit ihnen zu wachsen und dieses wilde Leben zu erleben.


Erfolg bedeutet für mich neue Dinge zu lernen und diese in die Umsetzung bringen zu können, weil es mir Spaß macht.


Erfolgreich zu sein bedeutet für mich die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und selbstwirksam zu sein. 


Ich bin neugierig :)

Was bedeutet Erfolg für dich?



Foto © Unsplash


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